Veröffentlichungen
Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"
Weit über 200 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.
Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.
SOZIALwirtschaft aktuell
Wer sich profilieren will, darf nicht Aufsichtsrat werden
Ehrenamt kommt von Ehre. Das war einmal. Wer heute ein sogenanntes Ehrenamt anstrebt, darf manches erwarten, aber sicher nicht die traditionellen Formen des Respekts und der Ehrerbietung. Davon können die gewählten Mitglieder von Gemeindeparlamenten ein Lied singen.
Da haben wir es in der Sozialwirtschaft etwas einfacher. Bei traditionell ehrenamtsorientierten Verbänden wie dem Roten Kreuz und der Arbeiterwohlfahrt steht das Ehrenamt in der ideologischen Werteskala ganz oben. Und auch bei Caritas und Diakonie gibt es mancherorts solche Strukturen. Der große Trend läuft aber anders: Je unternehmerischer die sozialwirtschaftlichen Unternehmen strukturiert werden, desto stärker steht die hauptamtliche Führung im Rampenlicht und desto unauffälliger wirken die ehrenamtlich besetzten Aufsichtsgremien. Das hat nichts mit ihrer Bedeutung und ihrer Wirkung zu tun, aber mit ihrer öffentlichen Wahrnehmung.
Man mag das bedauern, aber das Aktienrecht, an dessen Ordnungsvorstellungen sich viele großen Stiftungen, Vereine und GmbH heute orientieren, sieht eben einen strahlenden Vorstand auf der Bühne und einen im Schatten stehenden Aufsichtsrat im Hinterzimmer vor. Das ist für die handelnden Personen nicht immer einfach zu verkraften.
Ich sage: Wer sich profilieren will, sollte das nicht mithilfe eines Aufsichtsratspostens tun wollen. Dieser Weg ist denkbar ungeeignet. Wer aber schon etwas ist und etwas kann und von diesem Erfahrungsschatz gerne etwas weitergeben will, der ist in einem solchen Gremium genau richtig. Übrigens auch solche – die können jung oder alt sein – die noch dazu lernen und ihren Gesichtskreis erweitern wollen.
Auf einem anderen Blatt steht, dass der Vorstand oder die hauptamtliche Geschäftsführung gut beraten sind, wenn sie von Zeit zu Zeit einen Schritt zur Seite treten, damit auch etwas vom Rampenlicht auf den Aufsichtsrat fällt. Das kostet nicht viel, es nimmt auch dem Vorstand nichts von seiner Außenwirkung, aber es sieht gut aus und es ist Balsam für die in Demut wirkenden Aufsichtsratsseelen. Ich meine das nicht zynisch, sondern ganz praktisch.
Ein Vorstand, der sein Aufsichtsgremium verstecken will, zeigt nur, dass er dessen vom Gesetzgeber laufend gestärkte Rolle nicht verstanden hat. Und ein Aufsichtsrat, der immer nach vorne drängt, und bei jeder Gelegenheit auch zu Wort kommen will, hat seine machtvolle, aber dienende Rolle ebenfalls nicht verstanden. Ich empfehle beim Besuch von Homepages immer auch eine kleine Recherche, wie sich dort die hauptamtlichen Chefs ins rechte Licht rücken, und ob und wie das Aufsichtsorgan dort vorkommt oder ob es (schamhaft, gedankenlos oder böswillig) versteckt wird.
Also, liebe Mit-Aufsichtsräte: Laßt uns in Demut und mit beherrschter Kraft weiter unseren wichtigen Dienst tun!
Erschienen in Sozialwirtschaft aktuell Ausgabe 7/2006 - April 2006
Kontakt: Prof. Martin Beck

