Veröffentlichungen
Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"
Weit über 200 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.
Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.
SOZIALwirtschaft aktuell
Personalpflege ist die wichtigste Aufgabe des Aufsichtsgremiums
Aufsichtsräte und ehrenamtliche Vorstände sind wichtig. Sie fällen Entscheidungen mit langfristiger Wirkung. Sie beschließen über Budgets und Jahresabschlüsse. Und sie tragen die Personalverantwortung für das oberste Führungspersonal. Von der Einstellung bis zur Entlassung.
Das klingt ziemlich bedeutend. In Wahrheit löst diese Beschreibung bei mir eine gewisse Skepsis aus. Weil viele Aufsichtsgremien eben nicht „von der Einstellung bis zur Entlassung“ Verantwortung wahrnehmen, sondern nur „bei“ der Einstellung und „bis zur“ Entlassung. Dazwischen liegen Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte, in denen sich keiner wirklich darum kümmert, wie es den Führungskräften geht, was sie bewegt, was sie erfreut, was sie bedrückt, und was sie zufrieden oder unzufrieden macht.
Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen sozialpädagogisch-romantisch, als ob Führungskräfte nach allen Regeln der Kuschelkunst gepflegt werden müssten. So ist es aber nicht. In Wirklichkeit geht es um Fragen der Wirtschaftlichkeit, der Führungskontinuität und der Wirksamkeit von Führung. Es ist eben nicht egal, ob sich ein Vorstand oder eine Geschäftsführung respektiert und gewürdigt fühlt oder nicht. Führungskräfte sind Menschen wie Du und ich, und sie haben Leistungspotentiale, Leistungsreserven und Leistungsblockaden. Es kann ein ganzes Unternehmen blockieren, wenn der Chef mental eintrocknet und keiner davon Notiz nimmt. Und es kostet große Summen, wenn eine Führungskraft unzufrieden, unrespektiert und ungewürdigt von dannen zieht.
Deshalb sage ich: Die wichtigste Aufgabe des Aufsichtsrates ist die Begleitung, Förderung, Unterstützung, Korrektur und Weiterentwicklung der Führungskräfte. Kurz gesagt: Fürsorge. Wird diese Aufgabe gut gemeistert, dann erledigen sich viele andere Aufsichtsratsgeschäfte fast wie von selbst. Eine Führungskraft, die regelmäßige Gespräche mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden oder dem Präsidium oder dem Personalausschuss führt und die von Gremienmitgliedern außerhalb aller Tagesordnungen auf ihr Ergehen und ihre Ziele angesprochen wird – eine solche Führungskraft wird bleiben, und sie wird ihr Bestes geben!
Hinter dieser Aufgabe, die ich „Personalpflege“ nenne, stehen alle anderen formalen und administrativen Aufgaben zurück. Sie müssen zwar auch erledigt werden, aber sie haben nicht diese Wirkung wie eine gute oder schlechte Personalpflege. Das macht natürlich Arbeit und ist anstrengender und manchmal auch aufregender, als die vierteljährliche Besprechung von Soll-Ist-Vergleichen. Aber es lohnt sich, für die Führungskraft, für das Unternehmen – und übrigens auch für das Selbstwertgefühl der Ehrenamtlichen im Gremium.
Veröffentlicht in SOZIALwirtschaft aktuell, Ausgabe 8/2006, Mai 2006
Kontakt: Prof. Martin Beck

