Veröffentlichungen
Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"
Weit über 200 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.
Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.
Pro Firma
- Gute Leistung kostet nicht mehr als schlechte
In der Betriebswirtschaft hat es sich so eingebürgert, dass Personalkosten und -zahlen vor allem unter Rationalisierungsgesichtspunkten betrachtet werden. Das ist fachlich nicht falsch, aber nur die halbe Wahrheit. Außerdem kommt es in der Öffentlichkeit ganz schlecht an. Das unterschätzen viele Kostensenker und Rationalisierer in ihrer Begeisterung über immer neue Schnitte in den Personalbestand hinein.
Mitarbeiter sind nicht nur Produktionsfaktoren und Kostenfaktoren, sie sind auch Kulturträger, Wissensbesitzer und Loyalitätsgaranten. Mitarbeiter sind aber auch Kostenträger im betriebswirtschaftlichen Sinne, wenn und weil über Jahre in sie investiert wurde - in Vertrauen, in Qualifikation oder in Führungskompetenz. Es ist auch egal, ob der einzelne Mitarbeiter diese Investition nach Ihrer Meinung verdient hat. Schließlich wurde er meist gar nicht gefragt, ob er Investitionsobjekt werden wolle. Zählen Sie einmal zusammen, was Sie in einzelne Beschäftigte schon investiert haben, an Zeit, an Kraft, an Geld: Sie werden erstaunt sein! Da laufen menschliche Kostenträger durchs Haus, die eine Investitionssumme im Wert eines Mittelklassewagens repräsentieren. Hoffentlich tragen diese Investitionen auch für beide Seiten Zinsen. Profitiert nur der Arbeitgeber, wird der Mitarbeiter irgendwann verdrossen werden. Genießt nur der Mitarbeiter die Früchte, während der Arbeitgeber leer ausgeht, wird das bald zu Entscheidungen führen müssen.
Wer Mitarbeiter leichtfertig verärgert oder gar entfernt, der lässt damit ohne Not ein Stück immaterielles Firmenvermögen ziehen, in das die Firma einstmals viel Geld investiert hat. Hauptgrund ist die verbreitete negative Sichtweise, die immer an den Mängeln und Schlechtleistungen ansetzt. Aber es gibt auch in jeder Firma gute Leute, und sie kosten nicht mehr als die Faulenzer und Drückeberger. Es ist vielleicht eine wirklich überraschende Erkenntnis, aber die Faulenzer und Dummköpfe und Querulanten unter der Mitarbeiterschaft bekommen viel mehr Zuwendung von ihren Vorgesetzten, als die Fleißigen, die Klugen und die Kooperativen. Die Negativen werden beschimpft und kontrolliert und gestützt und unterstützt. Das ist alles sehr zeitaufwändig. Nur bei der Bezahlung und beim Arbeitsrecht herrscht so etwas wie Gerechtigkeit. Auch die betriebliche Negativauslese wird nach Tarif bezahlt und genießt den vollen Schutz des Arbeitsrechts. Das ist auf die Dauer ein schlechtes Geschäft.
Und es ist auch eine falsche Schwerpunktsetzung. Wer wenig taugt, aber im Moment aus rechtlichen Gründen nicht loszukriegen ist, der sollte möglichst ruhig oder gar kalt gestellt werden. Dort, wo er oder sie wenig Unfug anrichten kann. Die Leistungs- und Kulturträger dagegen, die am Feierabend stolz über ihre Firma sprechen, die in der Frühe schon pfeifend durchs Werkstor gehen und mit Freude bei der Sache sind, sollten regelmäßig und reichlich Zuwendung und Wertschätzung bekommen. Damit die Investitionen auch Früchte tragen können. Aus nüchternem betriebswirtschaftlichen Kalkül, nicht nur aus Nettigkeit und Menschenliebe.
Es ist ja keine neue Erkenntnis, aber sie wird in der betrieblichen Praxis selten angewendet: Alle Beschäftigten sind auch Menschen, sie wollen wahrgenommen, respektiert, wertgeschätzt , gelobt, gefördert werden. Dann fühlen sie sich wohl, dann sehen sie auch über die unvermeidlichen betrieblichen Ärgernisse hinweg. Dann bringen sie Leistung und denken mit. Mit Geld und mit Statussymbolen ist dieser Effekt nur kurzzeitig erreichbar. An Gehaltserhöhung und Firmenwagen gewöhnt man sich schnell. Aber Aufmerksamkeit und Lob wirken lange.
Zurück zu der Ausgangsthese, dass gute Leistung nicht mehr koste als schlechte. Wenn das stimmt, sollten Sie sich vor allem auf ihre guten Leute mit Perspektive konzentrieren. Wenn es gelingt, sie zu halten, zu integrieren, zu motivieren und ihnen Perspektiven aufzuzeigen, haben Sie viel erreicht. Und die anderen, die mit der schlechten Leistung? Auch da gibt es sicherlich Perlen, die noch entdeckt werden wollen. Aber ansonsten gilt, was schon der Große Vorsitzende Mao Tse-Tung wusste: Es ist schwerer, das Herz eines Menschen zu verändern, als einen Berg zu versetzen.
Veröffentlicht in ProFirma, April 2008, Haufe Verlag, Freiburg im Breisgau
Kontakt: Prof. Martin Beck

