Personalkosten, Unternehmen, Führung, Management, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Steuerbarkeit, Identifizierbarkeit, Transparenz, Vernetzbarkeit, Mittelstand

Veröffentlichungen

Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"

Weit über 200 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.

Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.

SOZIALwirtschaft aktuell

Personalkosten

Gute Leistung kostet nicht mehr als schlechte Leistung!

Die Personalkosten sind nach wie vor der größte Ausgabeposten in sozialwirtschaftlichen Unternehmen. Eine Veranstaltung in Nürtingen fragte, welche Konsequenzen die Führungskräfte angesichts der derzeit stattfindenden Tarifverhandlungen bei einigen Wohlfahrtsverbänden und bei der Umsetzung des neuen Tarifvertrages des öffentlichen Dienstes daraus ziehen sollten.

Unter der etwas dramatisierenden Überschrift

Geht die Wohlfahrtspflege an ihren Personalkosten kaputt?

fand am 20. April 2007 der Tag der Sozialwirtschaft in Nürtingen statt. Neben dem Veranstalter, Prof. Martin Beck, wirkten der für Gesundheit und Soziales zuständige ver.di-Sekretär Klaus Biener (Reutlingen), Wolfgang Lindenmaier, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen in der Diakonie Württembergs (AGMAV), sowie Klaus Plitzkat, Personalleiter des Stephansstiftes in Hannover und zugleich Verhandlungsführer der Diakonischen Arbeitgeber in Niedersachsen und Dr. Friedrich Fratschner, Partner der Hamburger Unternehmensberatung Baumgartner & Partner, mit.

Gewerkschaftssekretär Klaus Biener forderte die Tagungsteilnehmer auf, gemeinsam für die Verbesserung der Verhältnisse zu kämpfen, statt immer nach der Umsatzrendite und den Personalkosten zu schielen. Die Beschäftigten in der Sozialwirtschaft seinen in ihrer Mehrheit „keine typischen Arbeitnehmer sondern Leute, die eine Aufgabe haben oder suchen“. Entsprechend müsse man auch mit ihnen umgehen. Er warnte davor, bei der Betrachtung der Personalkosten immer reflexartig bei den vermeintlich weniger wichtigen Tätigkeiten zu beginnen. Biener: „Wenn die Putzfrau nicht sauber putzt, dann ist der Betriebsfrieden in Gefahr“. Zu den im März erstmals in der Diakonie zu beobachtenden Streiks merkte Biener, einer der Streikorganisatoren, an: „Der Streik in der Diakonie war ein richtiger Streik!“ Er kündigte an, dass dies nur ein Anfang gewesen sei.

Unter dem Thema „Wie lässt sich soziale Arbeit bewerten? Gedanken zur Leistungsmessung und –bewertung in der Sozialwirtschaft“ stellte Dr. Friedrich Fratschner von Baumgartner & Partner Wege zur Leistungsmessung in der Sozialwirtschaft vor. Sein Unternehmen ist derzeit viel damit beschäftigt, Auftraggebern bei der Umsetzung des neuen Tarifvertrages TvöD zu unterstützen. Er sprach sich dafür aus, von der reinen Kostensenkung abzurücken. Entscheidend sei es, Mitarbeiter „zum Wollen“ zu bringen, statt sie auf enge Regeln festzulegen. „Wir sind alle risikoavers“, stellte Dr. Fratschner fest. Er ermunterte die Sozialwirtschaft, sich aktiv mit dem Thema Leistung zu befassen. Fratschner: „Gute Leistung kostet nicht mehr als schlechte Leistung!“

Wenige Stunden vor seinem Auftritt in Nürtingen hatte Klaus Plitzkat noch als Verhandlungsführer der Niedersächsischen Diakonie-Arbeitgeber über eine mögliche Erhöhung der Vergütungen verhandelt. Er zeigte unter dem Thema „Woran krankt der ‚Dritte Weg’ von Diakonie und Caritas?“ die zunehmend erkennbaren Schwächen dieses kirchlichen Sonderweges auf und konnte dazu handfeste Beispiele aus seiner Praxis berichten.

Gastgeber Martin Beck zeigte in seinem Beitrag: „Welche betriebswirtschaftliche Bedeutung haben die Personalkosten für soziale Dienstleistungen?“ zunächst einige betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge auf, um dann auf die Frage der Manövrierfähigkeit der sozialwirtschaftlichen Unternehmen zu kommen. Er wie darauf hin, dass in der aktuellen Tarifdiskussion regelmäßig volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Themen durcheinandergeworfen würden. Ein Unternehmen könne nicht die Welt verändern. Die Führung des Unternehmens müsse vielmehr dafür sorgen, dass die Institution erhalten, die Arbeitsplätze gesichert und die Dienstleistungen marktgängig gehalten würden. Der Gesetzgeber habe den Wettbewerb in der Sozialwirtschaft gewollt, jetzt sei dieser Wunsch erfolgreich in Erfüllung gegangen. Und Wettbewerb bedeute eben einerseits Überangebot – damit überhaupt eine Wahlmöglichkeit bestehe – und andererseits Wirtschaftlichkeitsdruck – weil sonst das Überleben des Unternehmens nicht gesichert werden könne.

Beck: „Wer ein Sozialunternehmen daran hindert, kaufmännisch zu handeln, der tut niemand einen Gefallen, am allerwenigsten den Arbeitnehmern“.

Erschienen in SOZIALwirtschaft aktuell 10/2007, Juni 2007

Kontakt: Prof. Martin Beck

[zur Übersicht]