Veröffentlichungen
Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"
Weit über 200 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.
Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.
Pro Firma
Wie sich eine verbale Pirouette des Chefs auf das Wirtschaftsergebnis auswirkt. Oder nicht...
Die Show ist wichtig. Klappern gehört zum Handwerk. Tue Gutes und rede darüber. Was nicht in der Zeitung stand, hat nicht stattgefunden. Das sind alles kluge Worte, aber am Ende zählt, um den früheren Kanzler Kohl zu zitieren, „was hinten raus kommt“. Von der guten Show kann sich der Unternehmer nichts kaufen, es sei denn, er sei im Showgeschäft tätig. Aber das sind ja die wenigsten.
Im Geschäftsleben werden selten Haltungsnoten vergeben. Die virtuose verbale Pirouette des Chefs vor der Presse oder vor den Mitarbeitern ruft zwar offenen oder jedenfalls heimlichen Beifall hervor, aber sie erzeugt keine besseren Wirtschaftsergebnisse. Das führt uns zu der nüchternen Erkenntnis, dass im Geschäftsleben, anders als in anderen Branchen, der Weg leider oder zum Glück nicht schon das Ziel ist. Die harten Zahlen am Ende müssen mühsam erarbeitet werden. Dabei kann der Praktiker genauso gut abschneiden wie der Theoretiker und es spielt keine Rolle, ob der Gewinner gut erklären kann, warum er gewonnen hat, oder ob er eher wortkarg und verschlossen ist.
In guten Zeiten gewinnt die Show manchmal die Oberhand über das Geschäft. Das ist schön, aber die Show sollte aus dem erwirtschafteten Gewinn und nicht aus den kalkulierten Hoffnungen heraus bezahlt werden. Solange die Show nicht überdeckt, welche Schwächen im System stecken und welcher Handlungsbedarf besteht, sollte man das nicht kritisieren. Aber die Gefahr besteht, dass die Akteure sich am eigenen Auftritt berauschen und schließlich selber glauben, was sie da an tollen Sprüchen ablassen. Und dann ist Gefahr im Verzug. Ein abgehobener Chef, der durch nüchterne Argumente und durch reale Fakten nicht mehr erreicht oder beeindruckt werden kann, ist beratungsresistent und damit ein Risiko für die Firma und für sich selbst. Er nimmt nicht mehr wahr, was von außen an ihn herangetragen ist. Er lebt in seiner eigenen Scheinwelt. Er wird von seinen Bewunderern oder Schmeichlern in diesem Zustand gehalten, weil sie davon profitieren. Das mag eine lange Zeit gut gehen, aber es ist Traumtänzerei.
Die Patrizier vergangener Zeiten schenkten uns wunderbare Bürgerhäuser an den Marktplätzen, die heute noch unsere Stadtbilder zieren. Das war Show und Bürgerstolz zugleich, genau so, wie die Münster und Dome, die überwiegend nicht von der Kirche sondern von den Wohlhabenden der Stadt bezahlt wurden. Die Bauherren und die Finanziers wussten, dass solches Geld erst einmal mühsam verdient werden muss, bevor es für schöne Dinge ausgegeben werden kann. Wir wissen nicht, ob sie an dieser Erkenntnis immer Spaß hatten, und wir können vermuten, dass zu ihren Zeiten das Geschäft auch nicht immer einfach sondern von mancherlei Krisen und Gefahren bedroht war, aber wir sehen, dass sie durchgehalten und Wunderbares hinterlassen haben.
Also: Entscheidend ist, was hinten rauskommt! Der Weg zu einem guten Jahresergebnis oder zu einem erfreulichen Vermögen oder wenigstens zu einer gewissen finanziellen Unabhängigkeit kann manchmal holperig und mühsam sein. Aber wenn man es geschafft hat, wenn wieder ein Etappenziel erreicht ist, wenn – erstmals oder immer wieder – die Möglichkeit besteht, mit dem Erreichten Gutes zu tun und darüber zu reden oder zu schweigen, dann hat man es geschafft! Das ist vielleicht eine etwas altmodische Haltung, aber es hilft. Nicht nur bei der Show, sondern auch sonst im richtigen Leben. Weil Geld erst Spaß macht, wenn man etwas damit tun kann. Die Endnote zählt höher als die Haltungsnote!
Hier erhalten Sie den Artikel, sowie ein Interview mit Herrn Prof. Dr. Jörg Knoblauch zum Thema "Unternehmensführung" als Download!
Martin Beck
Erschienen in ProFirma Juli 2010, Haufe Verlag Freiburg im Breisgau
Kontakt: Prof. Martin Beck

