Wohin Machtfragen gehören, Unternehmen, Führung, Management, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Steuerbarkeit, Identifizierbarkeit, Transparenz, Vernetzbarkeit, Mittelstand

Veröffentlichungen

Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"

Weit über 200 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.

Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.

Pro Firma

Wohin Machtfragen gehören

Auf der Führungsebene kommt es immer wieder zu Machtkämpfen. Normalererweise finden diese hinter verschlossenen Türen statt. Oder?

Erfolgreiche Führungskräfte haben immer einen guten Schuss Narzissmus im Blut. Wer es nicht genießt, auf der Bühne zu stehen, wer es nicht mag, in der Zeitung zu stehen, wer sich nicht an dem Gefühl erfreuen kann, Menschen zu beeinflussen und zu bewegen, wer Verbandsaufgaben nur als Last und nicht auch als Lust empfindet, der wird unter seiner Führungsaufgabe leiden und sie am Ende vielleicht nicht gut oder nicht gut genug machen. Das ist ein hartes Wort, aber es ist erfahrungsgesättigt. Führung und Show sind Geschwister, faktische Leistung und gezeigte Leistung ebenfalls. Das führt manchmal zu Verwechslungen, wenn Menschen zu lange zu wenig qualifizierten Widerspruch und Widerstand erlebt haben. Früher, bei Hofe, waren die Rollen dafür klar verteilt: Die Hofschranzen redeten dem Herrscher nach dem Mund und intrigierten hinten herum ein bisschen, die Hofräte waren manchmal mutig und mussten dafür bezahlen, manchmal auch feige und blieben dann länger im Amt. Für die Wahrheit war der Hofnarr zuständig. Er durfte ungefragt aussprechen, was andere den Kopf gekostet hätte. Kluge Herrscher lachten zwar über ihn, hörten ihm aber aufmerksam zu. War der Hofnarr auch noch unterhaltend und geistreich, dann hatte er ein gutes Leben und das Land einen guten Herrn.

Weil oben, an der Unternehmensspitze, wenig Platz ist und weil sich dort oft mehr Leute aufhalten wollen, als ursprünglich vorgesehen ist, gibt es auf der Führungsebene immer wieder Machtkämpfe, Hahnenkämpfe, Schaukämpfe, Stutenbissigkeiten und andere unangenehme Ereignisse. Wenn es gut geht und die Kämpfer bei klarem Verstand sind und bleiben, dann kämpfen sie hinter verschlossenen Türen und treten trotzdem gemeinsam und in trauter Eintracht auf die Bühne, um das Notwendige in der gebotenen Sachlichkeit zu sagen. Wenn sie aber ihre eigenen Interessen vor diejenigen der Firma stellen oder ihr Ego nicht unter Kontrolle haben, dann verlegen sie auch den Kampf auf die offene Bühne. Das kann für das amüsierte Publikum sehr unterhaltsam sein, jedenfalls solange die Interessen des Publikums nicht berührt sind. Häufig wird es dabei den lachenden Dritten geben, der nur zu warten braucht, bis sich die Schaukämpfer unmöglich gemacht oder gegenseitig gelähmt und beschädigt haben. Der Firma aber schaden solche verunglückten Auftritte immer, und zwar todsicher.
Die schlechteste Form dieser Machtspiele sind in aller Öffentlichkeit ausgetragene Familienstreitigkeiten. Macht geordnet abzugeben und Macht ruhig aufzunehmen, das erfordert stabile, zu einer gewissen Uneigennützigkeit fähige Persönlichkeiten, die nicht automatisch annehmen, dass nach ihnen nur noch Schwächlinge und zweitklassige Leute kommen können. Und Macht in Ruhe und geordnet aufzunehmen, so lange noch der Patriarch da ist, dessen Handschrift alles trägt, was die Firma ausmacht, erfordert so etwas wie Weisheit, jedenfalls aber eine gute Portion Selbstdisziplin. Es hilft dabei, wenn beide Seiten eine langfristige Vorstellung vom Geschäft haben und nicht hektische und für die Umgebung aufregende oder verwirrende Bewegungen vollziehen. Das gelingt im wirklichen Leben nicht immer. Es wäre jetzt eine leichte Übung, eine Liste ehemals renommierter Firmen zu benennen, die auf diese Weise von fehlgeleiteten, ungeduldigen oder unbeherrschten Führungsfiguren schwer beschädigt, sturmreif geschossen oder gar zugrunde gerichtet wurden.
Die Leidtragenden sind immer die Beschäftigten, häufig auch die Gesellschafter und nicht selten auch die Kunden. Das sei allen Führungsfiguren gesagt, die allzeit bereit sind, in den vermeintlich wichtigen und auf jeden Fall ehrenvollen Kampf zu ziehen.

Martin Beck
Erschienen in ProFirma Juni 2010, Haufe Verlag Freiburg im Breisgau

Kontakt: Prof. Martin Beck

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