Ethik und Moral im Geschäft, Unternehmen, Führung, Management, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Steuerbarkeit, Identifizierbarkeit, Transparenz, Vernetzbarkeit, Mittelstand

Veröffentlichungen

Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"

Mehr als 170 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.

Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.

Pro Firma

Ethik und Moral im Geschäft

Sind Werte im Geschäftsleben noch aktuell? Oder sind sie uns unbemerkt verloren gegangen?

Ethik und Moral scheinen im Geschäft nichts verloren zu haben. Schon das Alte Testament geht unverblümt und schnörkellos davon aus, dass Geld immer auch Versuchungen nach sich zieht. Im O-Ton: „Wie der Nagel in der Mauer zwischen zwei Steinen steckt, so steckt das Unrecht zwischen Käufer und Verkäufer“ (Buch Jesus Sirach). Und die Römer ernannten Merkur praktischerweise gleichzeitig zum Gott der Kaufleute und der Diebe, für uns eine befremdliche Kombination. Diese zweieinhalbtausend Jahre alte Feststellung trifft den seriösen Unternehmer hart, und sie hat gar nichts mit dem Ideal des königlichen Kaufmanns zu tun, das lange von Handel und Industrie gepflegt und teilweise auch personifiziert wurde. Aber es ist vielleicht eine realistische Sicht der Dinge. Wo Geld im Spiel ist, lauert immer auch die Versuchung, vor allem dann, wenn es sich um fremdes Geld handelt, das ich gerne in meine Richtung lenken würde. Viele halten es dabei mit Oscar Wilde, der gesagt haben soll, er könne allem widerstehen, außer einer guten Versuchung. Man wisse ja, nicht, ob sie wieder komme. Bei einer so pragmatischen Sicht der Dinge sind ethische Überlegungen oder gar Grenzen eher hinderlich.

Es stellen sich selbstkritische Fragen: Nützen Werte eigentlich im Geschäftsleben, oder schaden sie eher? Ist ein nobles, moralisch wertvolles Führungsverhalten heutzutage eher Dekoration für die Schönwetterseite oder kann es eine tragende Rolle in guten wie in schweren Tagen des Unternehmens übernehmen? Sind Erfolg und Moral Gegensätze? Bedingt auf lange Sicht das eine nicht das andere? Oder ist wirklicher Geschäftserfolg nur zu erzielen, wenn man sich nicht allzu zimperlich anstellt?

Alle zwei Jahre treffen sich an wechselnden Orten (im Jahr 2009 in Düsseldorf, 2011 dann in Nürnberg) mehr als 4000 Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und öffentlicher Verwaltung zum Kongress christlicher Führungskräfte, um über diese Fragen nachzudenken. Das ist bemerkenswert und entspricht nicht der herrschenden Meinung über Unternehmer und Führungskräfte. Sie suchen und finden keine einfachen Lösungen, aber sie bemühten sich redlich, sozusagen antizyklisch, gegen den Zeitgeist und seine vermeintlichen Zwänge anzugehen.

Berthold Leibinger, in Unternehmerkreisen kein Unbekannter, sagt dazu in der Süddeutschen Zeitung vom 8. Oktober 2009: „Wir brauchen Vorbilder, die diese Werte leben. Wir müssen uns stärker damit beschäftigen. Ingenieure oder Betriebswirte bekommen doch heute im Studium keine ethischen Werte vermittelt.“

So viel ist klar: eine streng nach ethischen und moralischen oder gar religiösen Grundsätzen ausgerichtete Geschäftstätigkeit ist kein wirtschaftliches Erfolgsrezept. Wer das behauptet, sagt nicht die Wahrheit. Es kann sein, dass die moralfrei und vielleicht sogar skrupellos agierenden Wettbewerber kurzfristig erfolgreicher sind. Möglicherweise muss der ethisch gefestigte Unternehmer auf vermeintliche Chancen verzichten und erleidet damit vordergründig Nachteile. Das muss ihm das gute Gewissen aber wert sein.

Was aber die Kunden, die Mitarbeiter, die Lieferanten und die Banken anlangt, muss ganz nüchtern festgestellt werden: Erst müssen Produkt und Dienstleistung stimmen und die Rechnungen pünktlich bezahlt sein. Dann kann man sich mit dem Kunden oder dem Lieferanten über höhere Werte unterhalten. Wer hier die Reihenfolge verwechselt, wird sich keine Freunde machen.

Martin Beck
Erschienen in ProFirma März 2010, Haufe Verlag Freiburg im Breisgau

Kontakt: Prof. Martin Beck

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