Veröffentlichungen
Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"
Mehr als 170 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.
Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.
In Fachzeitschriften erschienen
Komplexe Fragen, einfache Lösungen
Unter Fachleuten gibt es eine gewisse Scheu, die Geheimnisse ihres Faches zu vereinfachen
Die Gabe der Vereinfachung hilft in vielen Lebenslagen. In der Politik etwa, aber auch in der Führung von größeren Unternehmen. Das Leben ist heutzutage so kompliziert und komplex, dass Spezialisten alles über fast nichts und Generalisten nichts über fast alles wissen. Der Unternehmer und seine leitenden Angestellten stehen dazwischen. Das Tagesgeschäft verlangt von ihnen Entscheidungen, oft sogar schnelle Entscheidungen, und zwar ohne allzu viel Zeit für gründliche Analysen und abwägende Gedanken. Als Fachleute ihres Metiers sind sie hochkarätige Spezialisten. Als Führungskräfte operieren sie oft auf fachfremden Gebieten, weil es das Tagesgeschäft so mit sich bringt. Das ist eine dauernde Herausforderung mit häufig wechselnden Themenstellungen. Wer sie besteht, wer sich hier zurechtfindet, wird geschäftlich überleben. Wer hier die Orientierung verliert, ist in Gefahr.
Unter Fachleuten gibt es eine gewisse Scheu, die Geheimnisse ihres Faches so zu vereinfachen, dass auch Menschen mit durchschnittlichem Bildungsniveau und geringen Kenntnissen des betreffenden Gebietes sie verstehen oder sogar mitreden können. Das ist historisch verständlich. Die Zünfte achteten strikt darauf, dass die Geheimnisse ihres Handwerks gewahrt blieben und nur vom Vater auf den Sohn oder vom Meister auf seinen Nachfolger übergingen. Aber diese Zeiten sind vorbei. Heute überlebt nicht der Geheimniskrämer, sondern der Kommunikator. Die Kunst ist, komplexe und vermeintlich undurchschaubare Vorgänge gedanklich zu entwirren und eigene Erkenntnisse in verständlicher, aber dennoch der Sache angemessener Sprache zu vermitteln. Wer das kann, beeinflusst Entscheidungen und Prozesse mehr als all die Verwirrer und Superspezialisten, die ihr eigenes Geschäft nicht mehr so erklären können, dass Normalbürger verstehen, worum es hier geht.
Erfolgreiche Führungsfiguren sind oft auch gute Kommunikatoren. Spezialisten dagegen haben oft mit der Gefahr der Verkomplizierung zu kämpfen. Man braucht sich nur einmal die Gebrauchsanleitungen beliebiger technischer Geräten für Endverbraucher anzuschauen. Fachchinesisch, holprig formuliert, in gestelzter Sprache, nicht selten grottenschlecht übersetzt, zeigen den Leser, der vor kurzem noch Käufer war, vor unnötige Komplikationen. Das ist manchmal gedankenlos, oft unzureichend, auf jeden Fall aber kundenfeindlich. Kaum ist der Kunde den Versuchungen der Werbung erlegen, wird er mit solchen Machwerken der Kommunikation allein gelassen. Auch manche wissenschaftlichen Texte tummeln sich auf diesem Feld. Nur wer so formuliert, dass ihn kein normal ausgebildeter Mensch mehr versteht, kann wirklich Wissenschaftler sein – jedenfalls bekommt der Leser diesen Eindruck.
Eine solche Denkweise ist für die betriebliche Praxis ungeeignet. Hier ist das oberste Ziel, verstanden zu werden, und zwar von allen Hierarchieebenen, Qualifikationsstufen und Sprachniveaus. Betriebliche Missverständnisse sind teuer und erzeugen Konflikte. Wer sich verständlich machen kann, bringt seine Leute hinter sich, vermeidet Fehler und Schäden und handelt wirtschaftlich. Das gilt übrigens für die mündliche Kommunikation genau so wie für die schriftliche. Kurze Nachrichten sind besser als lange Abhandlungen. Einfache Sätze sind sicherer als Bandwurmeskapaden. Fremdwörter, die nicht zum Fachjargon gehören, sind riskant und können Missverständnisse erzeugen. Wer sein Thema vorher durchdacht hat, kann es auch klar darstellen. Nicht immer in preiswürdiger Prosa, aber immer in verständlicher Sprache. Für den mündlichen wie den schriftlichen Ausdruck gilt das angebliche Lutherzitat: Tritt fest auf, mach’s Maul auf, hör’ bald auf! So funktioniert Kommunikation.
Erschienen in Profirma 09 2009, Haufe Verlag, Freiburg im Breisgau
Kontakt: Prof. Martin Beck

