Macht haben und Macht ausüben, Unternehmen, Führung, Management, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Steuerbarkeit, Identifizierbarkeit, Transparenz, Vernetzbarkeit, Mittelstand

Veröffentlichungen

Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"

Mehr als 170 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.

Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.

Pro Firma

Macht haben und Macht ausüben

Wie man sich Freunde und Verbündete schafft

Macht ist wie Luft: Sie ist überall, aber sie ist meist nicht zu sehen und manchmal auch nicht zu fassen. Wer sie hat, freut sich insgeheim, zeigt sie aber in der Regel nicht vor. Wer sie nicht hat, ist dumm dran und zeigt in aller Regel auch nicht, dass er sie nicht besitzt. Das wäre ja peinlich. Wer führen will oder muss, der muss auch mit Macht umgehen können. Das kann man lernen, jedenfalls den handwerklichen Teil davon. Dieser Umgang mit Macht kann ganz individuelle Züge haben, ganz auf den Fall oder die Situation bezogen, situationsadäquat. Sie kann im einen Fall ganz fest und vielleicht sogar hart und unnachgiebig, im anderen Fall sehr sensibel und vorsichtig eingesetzt werden.

Macht wird mit Hilfe von Instrumenten ausgeübt. Information und Kommunikation gehören zu den wichtigsten Instrumenten der Macht. Wer Informationen besitzt, hortet, verschweigt oder taktisch einsetzt, der übt Macht in einem negativen Sinne aus. Wer sie dagegen weitergibt, sortiert, strukturiert, andere daran teilhaben lässt und seine Motive und Interessen offen legt, dessen Machtausübung hat einen positiven Charakter. Das muss nicht harmlos oder gar naiv sein, aber es ist klug. So macht man sich Freunde und Verbündete. Aber auch Vertrauen und Misstrauen, Verlässlichkeit und Falschheit, Halbwahrheit und Unwahrheit können Machtinstrumente sein. Im wirklichen Leben kommen alle diese Erscheinungsformen von Macht vor, und zwar in allen Lebensbereichen. Machtanwendung muss nicht immer donnernd und dröhnend daher kommen. Sie kann auch weiche Züge haben, sensibel vorgehen, vorhandene Interessen erkennen, aufnehmen und einbeziehen. Macht als Konfrontationsmittel erzeugt Gegenmacht und Widerstand. Macht als Einladung zur Mitwirkung und zur Mitgestaltung erzeugt Kooperation und Inspiration.

Skrupellose Menschen greifen tief und ungeniert in den Werkzeugkasten der Macht. Sie verschwenden keinen Gedanken daran, dass Machtausübung immer nur auf Kosten anderer möglich ist. Moralisch gefestigte Zeitgenossen machen sich Gedanken, ob das von ihnen ausgewählte Machtinstrument auch wirklich für den geplanten Zweck geeignet sei und wie eine missbräuchliche Nutzung verhindert werden könne. In der Praxis kann das dazu führen, dass der Schnellere und Bedenkenlosere siegt, obwohl die moralischen Kräfte eher bei seinem Widersacher zu vermuten sind. Damit muss man leben, wenn man Werte und Prinzipien schätzt. Macht kann auch den Charakter des Mächtigen verändern. Der kluge Präsident Abraham Lincoln, der Macht in wilden Zeiten ausüben musste, sagte dazu: „Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.“ Je weniger Machtbalance in einer Organisation vorhanden ist, je mehr der Mächtige unkontrolliert und ungestraft agieren kann, desto eher besteht die Gefahr von Willkür oder von grandiosen Fehlentscheidungen. Es hat seinen guten Grund, dass viele Eigentümerunternehmer zu ihrer eigenen Begleitung und als Korrektiv einen unabhängigen Beirat installieren oder unabhängige Begleiter ins Haus holen. Das ist nicht immer angenehm, aber auf jeden Fall hilfreich.

Wer Verantwortung für Menschen und Sachen ausübt, muss sich mit Macht befassen. Ist die notwendige Dosis verfügbar, kann gehandelt werden. Fehlt sie oder wird sie verweigert, muss sie erkämpft werden. Wegschauen gilt nicht und hilft nicht! Der legendäre Bankier Alfred Herrhausen bemerkte dazu: „Führen muss man wollen!“ Nichts ist schlimmer als ein Mensch mit Führungsverantwortung, der nicht wirklich führen will. Er wird seiner Aufgabe nicht gerecht, bringt die Sache nicht vorwärts, er kann weder Ordnung halten noch Strukturen schaffen. Es herrscht Anarchie. Und das ist das Letzte, was ein Unternehmen brauchen kann, in guten wie in schlechten Zeiten.

Erschienen in ProFirma 07/08 2009
Haufe Verlag Freiburg im Breisgau

Kontakt: Prof. Martin Beck

[zur Übersicht]