Veröffentlichungen
Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"
Mehr als 170 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.
Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.
In Fachzeitschriften erschienen
Eigengewächse oder Fremdpflanzen?
Vorhandenen Kräfte und entwickeln und unterstützen oder auf den Arbeitsmarkt gehen und suchen dort, was in die Firma passt und gewünschte Impulse geben könnte?
Von ganz kleinen Firmen einmal abgesehen, in denen die Geschäfte am familiären Küchentisch besprochen werden können, haben Unternehmer bei ihrer Personalpolitik immer zwei Optionen. Sie bedienen sich der vorhandenen Kräfte und entwickeln und unterstützen sie, oder sie gehen auf den Arbeitsmarkt und suchen dort, was in die Firma passen und ihr die gewünschten Impulse geben könnte.
Es ist immer interessant, Unternehmen daraufhin zu beobachten, ob ihre Führungskräfte überwiegend von innen, aus dem eigenen Stall, oder von außen, aus der freien Wildbahn, kommen. Mancher starke und erfolgreiche Eigentümerunternehmer hat sich über Jahrzehnte seine Leute selber herangezogen. Man kennt sich, man vertraut sich, man stützt und unterstützt sich.
Das ist Sozial- und Beschäftigungspolitik vom Feinsten! Diese Methode ist nur mit einem kleinen Schönheitsfehler behaftet: Alle die treuen Vasallen waren wie der verehrte Chef, oder wollten jedenfalls so sein wie er. Sie verstärkten seine Stärken und sie potenzierten seine Schwächen. Was sie bei ihm nicht gelernt hatten, konnten sie auch nicht anwenden.
Eine Politik der konsequenten Inhouse-Berufung kann Sinn machen. Sie tut auf jeden Fall dem Betriebsklima gut, weil sich viele darüber freuen, wenn wieder „einer von uns“ im Hause etwas geworden ist. Nichts ist schlimmer als die regelmäßige Zurücksetzung der internen Kandidaten.
„Was man bei mir können muss, kann man auch bei mir lernen“, das war der Wahlspruch eines vom Autor über Jahrzehnte beobachteten und geschätzten mittelständischen Unternehmers. Bis der Generationenwechsel zum zweiten Mal scheiterte und die treuesten der treuen Mitarbeiter, die dem Patron geglaubt und an ihn geglaubt hatten, nach seinem Abgang chancenlos auf dem Arbeitsmarkt scheiterten.
James Ogilvy, einer der Pioniere des modernen Marketings, schrieb den Mitarbeitern seiner weltweit tätigen Werbeagentur zum Abschied ins Stammbuch: Wenn wir immer nur Leute einstellen, die kleiner sind als wir, dann werden wir eines Tages eine Firma von Zwergen sein. Das ist hart formuliert, aber richtig.
Das konsequente Gegenmodell sieht so aus, dass eigene Leute keine Chance haben, jemals über ihren angestammten Platz hinaus zu kommen. Sie werden für ihre Treue zum Unternehmen bestraft. Die braven und die antriebsschwächeren Mitarbeiter unter ihnen werden das zur Kenntnis nehmen, aber aus Bequemlichkeit oder mangels geeigneter Alternativen einfach sitzen bleiben. Die starken und die unruhigen Leute werden sich umschauen und ihren Platz an einer anderen Stelle finden.
Das Unternehmen verliert so Jahr für Jahr ein Stück des Humankapitals, das es sich selber durch Investition in solide Ausbildungen geschaffen hat. Brain drain nennen das die Amerikaner. Brillanz und Kompetenz gehen buchstäblich den Bach hinunter.
Die Wahrheit liegt, wie so oft im Leben, dazwischen. Vielleicht nicht schlicht in der Mitte, das wäre ja auch zu einfach, aber doch in respektvoller Entfernung von den beiden extremen Positionen. Frischer Wind und der unverstellte Blick von außen sind wünschenswert, der Stallgeruch des eigenen Hauses aber auch. Fremde Ideen müssen willkommen sein, Türen und Fenster weit geöffnet werden, aber die eigenen Rösser im Stall brauchen auch Futter, sonst werden sie klapprig und unansehnlich.
Erschienen in Pro Firma 06 2009
Haufe Verlag Freiburg im Breisgau
Kontakt: Prof. Martin Beck

