Familienbande sanft entflechten, Unternehmen, Führung, Management, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Steuerbarkeit, Identifizierbarkeit, Transparenz, Vernetzbarkeit, Mittelstand

Veröffentlichungen

Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"

Mehr als 170 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.

Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.

In Fachzeitschriften erschienen

Familienbande sanft entflechten

Erfahrungsgesättigte Ratschläge

Der Mittelstand ist vor allem deshalb so erfolgreich, weil Familien bereit sind, die in der Gesellschaft sonst üblichen Grenzen zwischen Privatleben und Beruf aufzulösen oder jedenfalls durchlässig zu machen. Dazu braucht es aktive Mitspieler, in erster Linie die Mitglieder der eigenen Familie, aber auch die jeweiligen Partner. Im Idealfall funktioniert das über Generationen hinweg. Das gemeinsame Ziel überbrückt persönliche Gegensätze. Man muss sich nicht immer lieben, aber man zieht gemeinsam den Karren voran. Wenn die Firma untergeht, dann gehen alle unter. Wenn die Firma erfolgreich ist, profitieren alle davon. Das schweißt zusammen. Es kann aber auch zu Spannungen und Konflikten führen. Das kommt in den besten Familien vor.

Die vielen Tausend funktionierenden Mittelstandsfirmen sind das Rückgrat unserer Volkswirtschaft. Sie sorgen für qualifizierten beruflichen Nachwuchs, zahlen Steuern im Lande, bleiben ihrem Heimatstandort verbunden und stabilisieren die regionalen Wirtschaftsstrukturen. Sie stellen ihre Mitarbeiter frei für gesellschaftliche Aufgaben aller Art, für Feuerwehr, Rettungsdienst, Gesangverein, Fußball, Musikverein, Kirchenchor – und die Chefs sind nicht selten mitten drin und machen mit.

So weit, so gut. Aber Romantik und Dramatik liegen manchmal nahe beieinander. Die Stärke dieser Mittelstandsfirmen ist zugleich auch ihre Schwäche. Kinder und Schwiegerkinder lieben sich und trennen sich. Sie treffen ihre Lebensentscheidungen ganz unabhängig von Firmeninteressen. Nicht jeder, der den Firmennamen trägt, ist auch für die Chefnachfolge geeignet. Es lohnt sich, hier ganz genau hinzuschauen. Ein Vertrag ist schnell geschlossen, aber eine Trennung kann schmerzhaft sein. Schwiegerkinder mit einem guten Beruf sollen diesen weiter ausüben können. Auch wegen der Sicherheit, der Unabhängigkeit, der Risikostreuung und der Alterssicherung.

Damit wir uns richtig verstehen: Nicht jeder, der in die Familie einheiratet, muss deshalb ungeeignet sein, aber er oder sie ist auch nicht automatisch der oder die Beste. Die Partnerschaftsentscheidungen der Kinder und die Unternehmensentscheidungen gehören sauber getrennt. Beide Entscheidungen haben hoffentlich mit Herz und Verstand zu tun, aber sie bewegen sich in unterschiedlichen Sphären.

Und hier noch ein paar erfahrungsgesättigte Ratschläge:
- Nehmen Sie nicht jeden, der Ihren Namen trägt, nur aus diesem Grund als Gesellschafter auf! Es muss schon etwas mehr als nur der Name sein.
- Stellen Sie nicht unbesehen alle Kinder und Kindeskinder in der Firma an, auch wenn das ein romantisches Familienbild zeichnet und schon Ihr Großvater so verfuhr! Empfehlen Sie Ihren Kindern, sich draußen zu bewähren. Das ist gut für die Qualifikation und für den Familienfrieden.
- Achten Sie darauf, dass alle Familienmitglieder, die dann doch in die Firma eintreten, ihre Lehrjahre außerhalb und ohne Privilegien absolviert haben! Nur so lässt sich feststellen, ob sie Profil haben und unter Wettbewerbsdruck bestehen können. Daheim gilt halt immer der Familienvorteil.
- Treffen Sie eine strenge Schwiegerkinder-Regelung! Lieber schließen Sie alle Schwiegerkinder aus der Firma aus, als dass Sie qualitative Kompromisse machen müssen.
- Wenn Sie zu den Glücklichen gehören, die kinderreich sind, dann sollten Sie früh eine Regelung treffen, wie viele Familienmitglieder in Leitungsfunktionen in der Firma sein dürfen.
- Und wenn der Generationswechsel heranrückt, dann seien Sie ganz nüchtern und ganz tapfer! Egal, wer nach Ihnen kommt, er oder sie wird es anders machen. Vielleicht nicht gleich, aber bald. Es gilt die alte Regel: Wir können die Aufgaben der Zukunft nicht mit den Erfahrungen aus der Vergangenheit lösen. Auch wenn wir das immer wieder versuchen.

Veröffentlicht in Pro Firma 05 2009, Haufe Verlag Freiburg im Breisgau

Kontakt: Prof. Martin Beck

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