Veröffentlichungen
Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"
Weit über 200 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.
Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.
Pro Firma
Zum Lernen kann es auch gehören, gestern noch für richtig gehaltene Erkenntnisse infrage zu stellen.
Kluge Köpfe machen sich viele Gedanken darüber, mit welchen Erfolgsrezepten man die Treffsicherheit unternehmerischer Tätigkeit erhöhen oder optimieren könnte. Zum 100. Geburtstag der Harvard Business School in Boston hat die deutsche Ausgabe des Harvard Business Managers die wichtigsten Aussagen der professoralen Stars dieser legendären Kaderschmiede zusammengefasst. Da stehen viele kluge Sätze drin. Tendenziell geht es dabei eher um große und globale Unternehmen. Aber auch der Mittelstand kann das eine oder andere aus diesem Wissen beherzigen.
Die klügsten der Managementratgeber halten sich die Freiheit offen, an jedem Tag wieder etwas hinzuzulernen. Zum Lernen kann es auch gehören, gestern noch für richtig gehaltene Erkenntnisse infrage zu stellen. Diese klugen Denker genieren sich überhaupt nicht, auf Veränderungen in ihrem Erkenntnisstand hingewiesen zu werden. Im Gegenteil, sie nehmen das als Beweis für ihre intakte Lernfähigkeit. Nur wer dazulernt bleibt im Geschäft.
Kluge Kunden dieser Ratgeber halten das übrigens genau so. Sie hängen nicht kritiklos an den Lippen des Meisters, sondern sie hören und schauen genau hin, prüfen kritisch, fragen nach – und nehmen sich die Freiheit dessen, der das alles bezahlt, und setzen das um, was ihnen einleuchtet oder angezeigt zu sein scheint. Das klingt vielleicht nach Rosinenpickerei, ist aber nicht so gemeint. Wer nur Rosinen herauspickt, bekommt bald Zahnschmerzen. Wer auch die sauren Gurken annimmt, dessen Zukunft ist weitaus sicherer.
Der Autor bekennt hiermit seine Skepsis gegenüber allen angeblich allgemeingültigen Regeln der Führungskunst. Insbesondere als todsicher angepriesene Geheimtipps stehen bei ihm unter Generalverdacht. Typisch für diese Geheimtipps ist es ja, dass sie sofort und so oft wie möglich veröffentlicht werden, wodurch der Geheimnischarakter im Laufe der Zeit verloren geht. Firmen sind Individuen, keine ist mit anderen vergleichbar. Auch Firmenkulturen sind höchst unterschiedlich und sie verändern sich in unterschiedlichem Tempo. Und den Markt- und Gesellschaftsbedingungen geht es ebenso. Was da allgemein, vielleicht sogar global, gelten soll, darf doch gefragt werden. Global denken ist gut, aber gehandelt werden muss lokal, dort, wo die Leute wohnen und arbeiten und wo die Firmenkultur ihre Wurzeln hat.
Im Management ist es wie im Leben: Moden kommen und gehen. Wer auf den anfahrenden Zug sofort aufspringt, macht eventuell die besten Erfahrungen, er trägt aber auch die höchsten Risiken. Ein paar Grundregeln bleiben. Es sind keine Geheimtipps, aber erprobte Lebensregeln:
- Bleiben Sie offen und aufmerksam, auch wenn sich die Dinge zu wiederholen scheinen!
- Hören Sie lieber Ihren Kritikern zu als Ihren Fans!
- Halten Sie nichts für ewig. Denken Sie schon jetzt über Neues nach!
Risiken und Nebenwirkungen gibt es übrigens bei diesen drei Regeln nicht. Höchstens Chancen, weil Sie selten von Ereignissen und Entwicklungen wirklich überrascht sein werden. Natürlich lösen sich nicht alle Ihre Tagesprobleme in Luft auf, und auch nicht alle Ihre strategischen Fragen werden schlagartig gelöst. Wer das verspricht, der ist nicht ernst zu nehmen.
Zu den klügsten Sprüchen gehört der hier: „Wir können nicht die Probleme der Zukunft mit den Instrumenten lösen, die zu ihrer Entstehung beigetragen haben.“ Wie wahr. Und wie schwierig. Gerade deshalb sind Offenheit, kritisches Denken und Neugier die wichtigsten Erfolgsfaktoren für Unternehmen aller Größenordnungen.
Veröffentlicht in der Rubrik Querdenker
in ProFirma 02 2009, Haufe Verlag, Freiburg im Breisgau
Kontakt: Prof. Martin Beck

