Veröffentlichungen
Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"
Weit über 200 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.
Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.
In Fachzeitschriften erschienen
Frieden ist ein Produktionsfaktor
Von Fairness, Respekt, Achtung und Verlässlichkeit
Es gibt wunderbare Formulierungen, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte: Friedenspflicht, gedeihliche Zusammenarbeit, Betriebsfrieden. Fast wie Weihnachten klingt das alles. Frieden auf Erden, und alles in Butter! Unter Betriebsfrieden kann man sich mancherlei vorstellen. Friede-Freude-Eierkuchen zum Beispiel, oder Friedhofsruhe. Ein produktiver Friedenszustand wäre das Optimum. Also Bewegung, die häufig von einer gewissen Unzufriedenheit an den Verhältnissen erzeugt wird. Stillstand sieht zwar friedlich aus, führt aber zu einer kraftlosen Organisation. Die Leute, die unsere Welt im guten Sinne weiter gebracht haben, waren alle von einer solchen produktiven Unzufriedenheit getrieben. Wer schnell mit sich und der Welt zufrieden ist, dem fällt bald nichts mehr ein, was man verbessern könnte. Solchen Menschen fehlt eine wichtige Antriebskraft für wirtschaftliches Handeln. Sie sind vielleicht beliebte Vorgesetzte, aber vermutlich keine erfolgreichen Unternehmer.
Nun sind erfolgreiche Unternehmer nicht automatisch glaubwürdige Friedensengel: Wer ein Unternehmen nach vorne treibt, darf nicht zimperlich sein und kann sich nicht um jede Befindlichkeit kümmern. Gutmenschen sind ein Gewinn für diese Welt, aber nicht überall geeignet. Und im Geschäftsleben geht es meist wenig zimperlich zu.
Zwischen Zimperlichkeit und offenem Streit gibt es allerdings viele Facetten. Deshalb sollten sich auch im Feuer des Marktes gehärtete Unternehmerpersönlichkeiten mit der Frage beschäftigen, ob im eigenen Betrieb eher Krieg oder eher Frieden herrscht und welchen Beitrag sie selber zu diesem Zustand geleistet haben. Unfriede ist auf die Dauer ein zerstörerischer Zustand, auch wenn Romantiker gerne von der reinigenden Kraft des Gewitters sprechen. Und jeder Krieg, auch der innerbetriebliche, birgt die Gefahr der unkontrollierten Eskalation in sich. Am Ende könnten schmerzhafte Verluste und teure Zerstörungen stehen. Eine Firma ist gewiss kein Mädchenpensionat, aber sie muss auch kein Raubtierzwinger sein.
Es gibt also ganz nüchterne Gründe dafür, den Frieden im Haus eher zu fördern. Es geht dabei nicht um einen diskussionsfreien Raum oder Gewaltfrieden. Es geht um traditionelle Werte wie Fairness, Respekt, Achtung, Verlässlichkeit. Wo diese Werte gelten, ist leichter Frieden zu halten. „Gelten“ heißt: nicht nur in der Weihnachtsansprache des Chefs, sondern im Echtbetrieb, unter Stress. Wo unter diesen Bedingungen ein produktiver Frieden in einem Klima der gegenseitigen Achtung herrscht, sind auch Produktivität, Kreativität, Loyalität zu Hause.
Das klingt Ihnen zu sehr nach Schönwetter und Heile-heile-Segen? In Ihrer Branche muss man richtig hinlangen und auch schon mal Verluste und Verletzungen hinnehmen? Nur Verlierer oder Schöngeister können sich mit solchen Themen befassen? Wenn Sie sich da nicht täuschen! Wir fahren mit vollen Segeln und trotz Krise auf eine Situation des Mitarbeitermangels zu. Manche Branchen hat er schon erreicht. Die eine oder andere Ausbildungsstätte sucht schon händeringend Kursteilnehmer. Wenn Fachkräfte die Auswahl zwischen mehreren Stellenangeboten haben, schauen sie nicht nur aufs Gehalt, sondern sie hören auch genau hin, welches Klima hier herrscht und ob man hier in Frieden seiner Arbeit nachgehen kann. Und plötzlich ist der Betriebsfrieden keine Fata Morgana mehr, sondern ein harter, messbarer Wirtschaftsfaktor. Wo schlechte Stimmung herrscht, da geht man nur hin, wenn man verzweifelt einen Arbeitsplatz sucht. In Zeiten des Arbeitnehmermarktes jedoch sucht man lieber weiter, bis man die Unternehmenskultur findet, die man sich wünscht.
Kann ja sein, dass der Chef erst einmal Kreide fressen muss, um so etwas wie Frieden in seine Stimme zu zaubern. Aber was macht man nicht alles für das Überleben der Firma.
Veröffentlicht in ProFirma 01-2009,
Haufe Verlag Freiburg im Breisgau
Kontakt: Prof. Martin Beck

