Es lebe der gläserne Vorstand!, Unternehmen, Führung, Management, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Steuerbarkeit, Identifizierbarkeit, Transparenz, Vernetzbarkeit, Mittelstand

Veröffentlichungen

Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"

Weit über 200 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.

Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.

SOZIALwirtschaft aktuell

Es lebe der gläserne Vorstand!

Dass die deutsche Gesellschaft eine Neidgesellschaft sei, das hört man immer wieder, und das lehrt uns auch die eigene Lebenspraxis. Eines der attraktivsten Objekte der Neugier ist die Vergütung der Vorstände der börsennotierten Aktiengesellschaften. Man kann es ja verstehen, dass die dort teilweise üblichen schwindelerregenden Beträge einen gewissen Gafferfaktor befriedigen. Aus Sicht der Aktionäre besteht der entsprechende Informationswunsch zu Recht, schließlich ist es ihr Geld. Warum die allgemeine Öffentlichkeit darauf so neugierig ist, versteht man aber nicht wirklich. Schließlich geht es mich nichts an, was andere mit ihrem Geld so machen. Umgekehrt gilt das übrigens auch. Wär’ ja noch schöner, wenn sich andere in meine Finanzen einmischen würden!

Jetzt schwappt dieses Thema auch auf die Sozialwirtschaft über. Wieder macht das Diakonische Werk Württemberg den Vorreiter, wie schon bei der Einführung des strengstmöglichen Corporate Governance Kodex. Jetzt sollen die Gehälter der Organe der Mitgliedsvereine, Mitgliederstiftungen und Mitgliedergesellschaften offen gelegt werden. Die Verbandsgremien befassen sich derzeit damit. Als ob es keine wichtigeren Themen in der Verbandsdiakonie gäbe.

Wer sich in den Gehaltsstrukturen der deutschen Sozialwirtschaft etwas auskennt, der kann der Frage nicht ausweichen, welche Sensationen die Betreiber dieses Themas dort erwarten. Millionengehälter im Vorstand? Privatjet zur freien Benutzung? Firmenkreditkarte für die Gattin? Dienstvilla mit See- und Bergblick, betreut von einem diskreten Butlerehepaar? Lebenszeitmitgliedschaft im Golfclub auf Firmenkosten? Alles Fehlanzeige!

Nein, wenn sich dieses Ansinnen auf breiter Front durchsetzt, dann wird Heulen und Zähneklappern durch die Sozialwirtschaft ziehen. Nicht etwa, weil die Bosse zu viel verdienen würden. Nein, sondern weil das geneigte Publikum erstaunt sein wird, für welche bescheidenen Beträge manche wichtigen Führungspositionen ausgeübt werden. Nur wenige wirklich unternehmerischen Vergütungen. Kaum irgendwo leistungsbezogene Vergütungsanteile. Selten der Mut zu befristeten, aber dafür erstklassig ausgestatteten, Vorstandsverträgen. Kleinlichste Einbindung in bürokratische Regelwerke für Bewirtung, Reisekosten, Repräsentationsausgaben. Ein Trauerspiel. So hält man nicht nur die Führungskräfte klein, sondern die ganze Branche.

Und jetzt also die Offenlegungspflicht in Württemberg. Dann warte mer halt no a bissle und schauen uns an, was die Württemberger so offen legen werden. Wie gesagt: Also ob es keine anderen Probleme in der deutschen Sozialwirtschaft gäbe.

Erschienen in SOZIALwirtschaft aktuell 10/2008, NOMOS Verlag Baden-Baden

Kontakt: Prof. Martin Beck

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