Panische Aufsichtsräte, Unternehmen, Führung, Management, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Steuerbarkeit, Identifizierbarkeit, Transparenz, Vernetzbarkeit, Mittelstand

Veröffentlichungen

Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"

Weit über 200 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.

Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.

SOZIALwirtschaft aktuell

Panische Aufsichtsräte

Theorie und Praxis

Angst ist zutiefst menschlich. In der Extremsituation ist aber nicht Panik gefragt, sondern ein kühler Kopf, ein ruhiger Herzschlag und ein nüchterner Sinn. Führungserfahrene Menschen wissen das und handeln entsprechend. Wenn sie von Hause aus Hasenfüße oder Hysteriker sind, dann werden sie sich im Laufe eines erfolgreichen Berufslebens entsprechende Mechanismen antrainieren, um in Ausnahmesituationen professionell und adäquat reagieren zu können.

So weit die Theorie. Die Praxis kann ganz anders aussehen. Da ist der Banker im Aufsichtsrat, der in seiner Berufspraxis mit der unangenehmen Seite von Kreditrisiken und Risikoinvestitionen zu tun bekam und die dabei erlittenen Verletzungen immer noch spürt. Da ist der Kommunalpolitiker, dessen Überlebensinstinkte ihn vor gefahrgeneigten Situationen warnen und der die Kunst der eleganten Flucht meisterhaft beherrscht. Und da ist der Kirchenmann, der zwar im Schoß der Kirche sicher und unkündbar ruht, aber peinlich auf seinen guten Ruf achtet, und der im Zweifel, wenn die Einschläge näher kommen, schnell eine Deckung findet.

Das alles muss man sich jetzt vor dem Hintergrund vorstellen, dass diese lebenserfahrenen und überlebenstrainierten Herren miteinander Mitglieder eines Aufsichtsrates sind, der über die Geschäfte einer sozialwirtschaftlichen Unternehmung wachen und der sich schützend vor den Vorstand stellen soll, wenn die Dinge einmal nicht so glatt laufen. Gnade Gott dem Vorstand oder Geschäftsführer, dessen Aufsichtsräte angstgetrieben sind!

Dass es im Leben nicht immer glatt läuft, das gehört zu unserem Alltagswissen. Stellen wir uns einmal den Geschäftsführer oder die Vorstände eines sozialwirtschaftlichen Unternehmens vor, das sich in schwerem Wetter befindet. Man tut alles, um Schaden von den Kunden, von der Mitarbeiterschaft, vom Vermögen des Trägers, von den Banken und von den Mitgliedern des Aufsichtsrates abzuwenden und das Unternehmensschiff einigermaßen auf Kurs zu halten. Und was tun unsere oben mit ihren zutiefst menschlichen Fluchtreflexen charakterisierten Aufsichtsräte? Sie haben Angst, sie fürchten um ihr Renommee, und sie lassen die betriebliche Umwelt an ihrem Gemütszustand aktiv teilhaben. Statt beruhigend oder beschleunigend oder jedenfalls zukunftssichernd zu wirken, erzeugen sie Unruhe, verstärken sie Besorgnisse und schüren sie Zukunftsängste.

Das ist schlecht, meine Herren, sehr schlecht! Ihre Aufgabe ist es nämlich, dem Vorstand in kritischen Situationen seine Arbeit möglichst leichtzumachen, ihn zu fördern, ihm – natürlich intern und nicht auf dem offenen Markt – kritische Fragen zu stellen und im Übrigen die Wogen zu glätten, damit überhaupt wieder manövriert werden kann. Wer das nicht aushält, wessen Nervenkostüm vor allem Ruhe braucht, wer Risiken nur als Bedrohung und nicht als Herausforderung sieht, der sollte sich in diesen stürmischen Zeiten von Aufsichtsratstätigkeiten fernhalten. Das ist besser für ihn und für die Sozialwirtschaft.

(veröffentlicht in SOZIALwirtschaft aktuell, Ausgabe 3/2008, Februar 2008, NOMOS Verlag)

Kontakt: Prof. Martin Beck

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