Veröffentlichungen
Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"
Weit über 200 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.
Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.
Pro Firma
Mehr als ein schönes Wortspiel
Es ist ein schönes Wortspiel: Unternehmer sind deshalb Unternehmer, weil sie etwas unternehmen, und nicht etwa, weil sie Dinge unterlassen. Klingt gut und ist eingängig. Aber stimmt es auch?
Von einem richtigen Unternehmer erwarten wir landläufig Dinge wie Dynamik, Tatkraft, Mut, Einsatzbereitschaft, Robustheit, Entschlossenheit und Risikobereitschaft – aber von Letzterem bitte nicht zu viel, weil sonst die Banken unruhig werden oder das Familiensilber in Gefahr gerät. Wer so viele positive und bewegungsorientierte Eigenschaften aufweist, der kann eigentlich nur permanent nach vorne gehen, immer vor der Truppe reitend, lieber zu schnell als zu langsam. Stillstand bedeutet Rückschritt und der Schnelle schlägt den Langsamen. Wir kennen alle diese Sprüche. Die Gefahr dabei ist, dass der wackere Dynamiker die Mannschaft hinter sich lässt und schließlich, weil er immer schneller ist als sie, den Kontakt verliert. Das ist schlecht für die Mannschaft, aber es tut auch dem Führer und dem Unternehmen auf die Dauer nicht gut.
Der zögerliche Unternehmer ist, landläufig gesehen, ein Widerspruch in sich, ungefähr so, wie der unternehmerische Beamte. Zögern, abwarten, beobachten – das sind keine spektakulären Dinge. Sie klingen eher nach Bedenkenträgern als nach Problemlösern. Aber im richtigen Leben sind die Dinge nicht so einfach. Unternehmer sind keine Husaren, die immer den Sturmangriff reiten. Auch sie brauchen Atempausen, nicht wegen der faulen Haut, sondern wegen der klaren Gedanken. Sie dürfen – manchmal sogar müssen – auch nachdenklich sein, Entscheidungen wieder und wieder bedenken – um dann schließlich ein klares Votum zu treffen und dieses auch energisch umzusetzen und zu kommunizieren. Es soll sogar vorkommen, dass ein Unternehmer mutig zurücknimmt, was er früher für richtig gehalten hat. Das bringt keinen Beifall, aber es rettet vielleicht Firma und Vermögen.
Warum sollte ein Unternehmer von Zeit zu Zeit innehalten und nachdenken? Warum sollte er nachdenkend durch Wald und Flur gehen, oder die Füße auf den Tisch legen, oder mit guten Freunden aus anderen Branchen sprechen? Nun, weil man im stürmischen Lauf manchmal die Bodenhaftung verliert, weil man als geübter Läufer von den selbst erzeugten Glückshormonen benebelt wird und weil man außer Atem auch keine vernünftigen Gespräche mehr mit Wegbegleitern oder Ratgebern führen kann. Übrigens standen die Anführer der früher so gefürchteten Husaren meist ganz ruhig auf einer Anhöhe und beobachteten die eigenen und die feindlichen Bewegungen, um dann mit diesem Überblick ihre Entscheidungen zu treffen. Wer immer ganz vorne im Getümmel kämpft, der weiß zwar genau, wie Pulverdampf riecht, aber ihm fehlt der Überblick.
An dieser Stelle sei eine kleine Lebenserfahrung eingeflochten: Entscheidungen, die angeblich ganz eilig sind, sollten besonders ruhig abgewogen werden. Der Zeitdruck kommt meist nicht aus der Sache selber, sondern er ist häufig von anderen Beteiligten durch Zaudern und Nachlässigkeit erzeugt worden, oder er hat taktische Wurzeln und der Unternehmer soll in Zugzwang geraten und dabei Fehler machen. Wer je mit der Erstellung von Angeboten und Projektvorschlägen zu tun hatte, wird auch die Beobachtung gemacht haben, dass der Auftraggeber zunächst höchsten Zeitdruck erzeugt, um dann, wenn ihm die Ausarbeitung vorliegt, plötzlich alle Zeit der Welt zu haben, wieder und wieder eine Entscheidung hinauszuzögern
Die richtige Balance zwischen unternehmen und unterlassen, zwischen wagen und wägen, wie das früher hieß, sie lässt sich nicht in einigen goldenen Worten formulieren. Wichtiger als der Königsweg ist die Fähigkeit, Wegkreuzungen zu erkennen und über Alternativen nachzudenken, bevor sie drängend im Weg stehen. Die alten Kaufleute wussten schon, dass der Gewinn im Einkauf liege, also dort, wo nicht so spektakulär wie im Verkauf agiert werden kann, wo geduldig, nachhaltig, zäh, gerungen wird. Wahrscheinlich ist es so, dass viele erfolgreiche Unternehmer durch unterlassen und durch abwarten genau so viel Geld verdient haben, wie durch draufschlagen, vorpreschen und zupacken.
Veröffentlicht in ProFirma, Januar 2008,
Haufe Verlag Freiburg im Breisgau
Kontakt: Prof. Martin Beck

