Veröffentlichungen
Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"
Weit über 200 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.
Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.
SOZIALwirtschaft aktuell
Der Lebenszyklus des Unternehmens
Unternehmen sind endlich, so wie wir Menschen das auch sind.
Wer kennt schon eine Firma, die älter ist als, sagen wir einmal, einhundert oder gar einhundertfünfzig Jahre? Und selbst Traditionsfirmen, die da stehen wie eine (deutsche) Eiche, haben sich in Wirklichkeit immer wieder gewandelt, mussten Abspaltungen hinnehmen, erlitten Niederlagen, feierten Siege, kauften und verkauften Kompetenzen und Unternehmen, änderten ihren Namen, fügten andere hinzu und warfen wieder welche ab. Daimler-Chrysler zum Beispiel, der Weltkonzern, hat eine solche wechselvolle Geschichte. Als die Firma noch Daimler-Benz hieß, schien sie unversehrbar, aber auch das war schon das Ergebnis eine Fusion zwischen den unterschiedlich erfolgreichen Unternehmen der beiden Technikpioniere in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts. In Mannheim schafft man seit hundert Jahren „beim Benz“ und in Stuttgart „beim Daimler“, und diese Begriffe werden vermutlich auch den derzeitigen Firmennamen überdauern. Da helfen alle professionellen PR-Maßnahmen nichts.
Die Sozialwirtschaft kennt auch Unternehmen, die offensichtlich auf die Ewigkeit hin angelegt sind. Es mag ja Zufall sein, aber viele von ihnen haben kirchliche Wurzeln und gehören zur Caritas oder zur Diakonie. Sie stehen da, als ob erst am Jüngsten Tag abgerechnet würde. Alles ist solide und auf Dauer, scheint sicher, ist manchmal etwas unbeweglich und bietet Mitarbeitern, Klienten und Vertragspartnern eine Art unbegrenzter Sicherheit. Ein Traum für alle, die das Leben gerne planbar hätten. Ein Alptraum für solche, die Bewegung für ein wichtiges Unternehmensprinzip halten.
Um so härter der Absturz in die Wirklichkeit, wenn sich diese vermeintliche Sicherheit als trügerisch erweist. Für sicher gehaltene Plätze erodieren langsam oder fallen sozialpolitischen Veränderungen zum Opfer. Pflegesätze decken die Kosten nicht mehr. Spenden bleiben aus. Verluste zehren das Barvermögen auf. Die Banken werden unruhig und stellen immer mehr Fragen. Kredite werden teurer oder werden gekündigt. Das kann manchmal ganz schnell gehen, innerhalb von wenigen Jahren oder sogar Monaten. Und Abwärtsbewegungen unterliegen, das lehrt uns schon die Physik, einer unausweichlichen Beschleunigung.
Das ist alles unerfreulich und schlimm, besonders aus der Perspektive langjähriger Mitarbeiter, die sich einst eine bescheidene wirtschaftliche Sicherheit mit lebenslanger Treue erkauft hatten. Aber es ist normal, es ist der Regelfall, und es kommt in Wirtschaft und Gesellschaft vor. Täglich verschwinden Firmen vom Markt, durch Insolvenz oder Fusion, täglich gehen eingeführte Firmennamen verloren. Und das Erstaunliche: die Welt dreht sich einfach weiter! Die Mitarbeiter finden anderswo eine Stelle, Klienten werden von Wettbewerbern (gerne) aufgenommen, Standorte erhalten eine neue Zweckbestimmung, Marken werden einfach weitergeführt oder auch zurückgezogen.
Was lässt sich aus dieser Betrachtung ableiten? Es ist zweifellos wichtig, die Bestandsinteressen der Institution zu beachten und jede Führung tut gut daran, auf Sicherheit und Berechenbarkeit zu achten. Wichtiger aber ist, ob der Auftrag noch erfüllt wird oder ob er sich längst erledigt hat. Sozialwirtschaft ist nicht für die Institution da, auch nicht für die Mitarbeiter, sondern für den Auftrag und damit für die Klienten. Und wenn der Auftrag heute oder morgen auf andere Weise oder durch einen anderen Dienstleister besser, schneller oder kostengünstiger erfüllt werden kann, dann werden die Marktmechanismen in Gang kommen, unaufhaltsam. Es ist gut, wenn das alle im Unternehmen wissen. Nicht als Drohung, aber als realistische Option. Dann werden manche Diskussionsthemen und Aufreger einfach verschwinden.
Erschienen in SOZIALwirtschaft aktuell Nr. 6/2007.
Kontakt: Prof. Martin Beck

