Dabei sein ist alles, Unternehmen, Führung, Management, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Steuerbarkeit, Identifizierbarkeit, Transparenz, Vernetzbarkeit, Mittelstand

Veröffentlichungen

Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"

Weit über 200 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.

Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.

SOZIALwirtschaft aktuell

Dabei sein ist alles

- oder: warum sind eigentlich viele Wohlfahrtsmanager wild auf Wettbewerb?

Die Sozialwirtschaft ist zu Recht stolz auf ihre erfolgreiche Entwicklung von der Bewahranstalt zum Dienstleistungsunternehmen. Professionalität, schlanke Strukturen, Wirtschaftlichkeit, all das ist gut. Größe macht vieles leichter, auch das Bestehen im Wettbewerb. Dass der Wettbewerb kein Kinderspiel ist, das ist auch hinlänglich bekannt. Das Spiel funktioniert nach der einfachen Regel, dass es nur Gewinner geben kann, wenn viele andere verlieren. Win-win-Spiele gibt es nur im sozialpädagogischen Einsteigerseminar.

Nach diesen grundsätzlichen Vorüberlegungen drängt sich die Frage auf: Warum sind eigentlich viele Wohlfahrtsmanager so wild auf Wettbewerb? Wissen sie denn nicht, dass im Markt einer nur gewinnen kann, wenn ein anderer verliert? Nach jahrelanger Beobachtung des Marktes und seiner Akteure komme ich zu dem Schluss, dass ein scharfer Wettbewerb unter Brüdern und Schwestern der Freien Wohlfahrtspflege weder der Sache noch dem Kunden noch den konkurrierenden Wohlfahrtsunternehmen dient. Der innerwohlfahrtliche Kampf um Standorte, um Unternehmensgröße, um Marktpräsenz, um Dominanz ist ein grandioser Egotrip der Vorstände, der Geschäftsführer und der sie aufmerksam begleitenden oder auch selig schlummernden Aufsichtsgremien. Dieser Trip ist insofern besonders pikant, als er für die Akteure weitgehend risikofrei abläuft und dazu hin noch von Geschäftspartnern finanziert wird, die vorher nicht gefragt wurden und wohl auch kein Interesse an diesem Spiel hätten, warum sollten sie auch. Was wäre denn, wenn Spender, Mitglieder, Versicherungen, Sozialbehörden und sonstige Leistungsträger plötzlich ihr Geld zurückfordern würden, weil es im Kampf um lokale oder regionale Dominanz verbrannt wurde?

Der Gipfel des Irrsinns ist erreicht, wenn sich die Mitglieder ein und desselben Wohlfahrtsverbandes um Standorte und Ausschreibungen balgen. Am Ende werden sie möglicherweise alle verlieren und ihr Verband mit ihnen. Auch die Konstellation, dass sich Mitgliedsunternehmen von vermeintlich konkurrierenden Wohlfahrtsverbänden bekriegen, ist nur unwesentlich klüger. Der lachende Dritte wird der gewerbliche Wettbewerb sein, der inzwischen gut aufgestellt ist, für den Kapital kein Problem mehr ist und der in der direkten Konfrontation im Zweifel härter, routinierter, professioneller und vielleicht auch raffinierter sein kann. Am Beispiel der Altenhilfe lässt sich seit einigen Jahren studieren, wo der gesamte Sozialmarkt hingehen wird.

Um das klar zu stellen: Ich spreche hier nicht für Kartelle und Mauscheleien, ich spreche auch nicht gegen Leistungs- und Qualitätswettbewerb und schon gar nicht gegen den wirtschaftlichen Erfolg. Wogegen ich aber spreche, das ist die Vergeudung von gemeinnützigen Mitteln (und manchmal auch von gemeinnützigem Ansehen und Spendenpotenzial). Der Feind steht woanders, liebe Wohlfahrtsmanager, er tummelt sich hochaktiv auf dem Markt, er hat Kapital eingesammelt und er unterliegt weder bremsendem kirchlichem Arbeitsrecht noch überregulierten Mitarbeiterbeteiligungsstrukturen. Hier die Kräfte zu verstärken, auch durch Kooperationen, durch Zusammenschlüsse, das wäre strategisches Vorgehen. Dazu gehört allerdings Kraft (die man durch freiwillige Bündnisse schaffen kann) und Mut (weil man es mit einem starken Gegner zu tun hat). Wer diese Herausforderung scheut und stattdessen mit den Brüdern und Schwestern herumbalgt, der hat eigentlich schon aufgegeben.

ai>Veröffentlicht in SOZIALwirtschaft aktuell,
Nr. 1-2/2007, NOMOS Verlag Baden-Baden, Januar 2007

Kontakt: Prof. Martin Beck

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