Der Starke ist am Mächtigsten allein, Unternehmen, Führung, Management, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Steuerbarkeit, Identifizierbarkeit, Transparenz, Vernetzbarkeit, Mittelstand

Veröffentlichungen

Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"

Weit über 200 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.

Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.

SOZIALwirtschaft aktuell

Der Starke ist am Mächtigsten allein

Oder: kritische Anmerkungen zu Kooperationen aller Art

Es wird immer wieder gerne von Kooperationen geredet. Sie scheinen eine Art Allheilmittel zu sein. Wer sich alleine zu schwach fühlt, wer gerne Zugriff auf das Wissen des Nachbarunternehmen hätte, wer gerne anderswo mitmischt, sich aber andere lieber vom Acker halten will – sie alle rufen nach Kooperation.

Lateiner wissen, dass kooperieren auf Deutsch „zusammenarbeiten“ heißt. Die Sache funktioniert nur, wenn alle Beteiligten die Ärmel hochkrempeln, die Visiere öffnen, die Risiken und Chancen gemeinsam durchspielen (wobei die Risiken für die Vorklärung wichtiger sind als die Chancen), die Kapazitäten bereitstellen und die Kompetenzen klären. Wenn dann noch alle beteiligten Führungsfiguren deutlich und nachhaltig ihren Willen zur Zusammenarbeit und zum gemeinsamen Erfolg erkennen lassen.

Kooperationen klappen nur, wenn die Ziele klar und die Erwartungen aller Beteiligten allseits bekannt sind und das Ganze auf Zeit angelegt ist. Eine Kooperation auf ewig ist sozusagen ein Widerspruch in sich. Wenn sich die Sache nicht bewährt, dann kann man mit größtmöglichem Anstand und zu den vorher festgelegten Regeln auseinander gehen, ohne dass die Fetzen fliegen und weiterer Schaden entsteht. Und wenn alles gut geht, dann wird die Kooperation früher oder später in eine feste Verbindung überführt werden – fast wie im richtigen Leben.

Es ist auffällig, dass sich Unternehmen und Unternehmer vor Kooperationen scheuen, die irgendwie nach Verbindlichkeit riechen. Die Partner könnten ja etwas über uns erfahren, was noch nicht in der Zeitung stand. Oder unser sorgsam gepflegtes Image könnte Schaden leiden, wenn sich in der praktischen Zusammenarbeit herausstellt, dass auch wir nur mit Wasser kochen. Außerdem liegt immer die Befürchtung in der Luft, dass wir bei der Abrechnung – unabhängig von Erfolg oder Misserfolg – den Kürzeren ziehen könnten.

Diese Befürchtungen sind übrigens nicht völlig grundlos. Wer nur sich selber traut, sollte sich auch nur auf sich selber verlassen. Und in ungeklärte Verhältnisse hinein auch noch eine komplexe Kooperationsstruktur zu installieren, das erhöht nur das Risiko aller Beteiligten. Das Leben lehrt uns: Wer am Lautesten nach Kooperation ruft, der will sich vielleicht nur die längst überfälligen betrieblichen Grausamkeiten ersparen – auf Kosten seiner Partner natürlich. Der Starke ist bekanntlich, wie schon Schiller in Wilhelm Tell feststellte, am Mächtigsten allein!

Rate ich von Kooperationen ab? Nein, aber ich rate zu größtmöglichem Realismus in der Planungsphase, wie bei einem guten Ehevertrag, der seine Wirkung auch nicht durch seine Anwendung entfaltet, sondern dadurch, dass die Wechselfälle des Lebens schon einmal beim Notar durchgesprochen wurden.

Erschienen in SOZIALwirtschaft aktuell, Ausgabe 21/2006, November 2006

Kontakt: Prof. Martin Beck

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