Veröffentlichungen
Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"
Weit über 200 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.
Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.
SOZIALwirtschaft aktuell
Stakeholder, Shareholder, Kunde
Es gibt viele schöne Begriffe für die Außenbeziehungen von Sozialunternehmen. Begriffe sollen eigentlich Klarheit schaffen. In unserem konkreten Fall trifft das nicht zu.
Die Begriffsformel geht so: Shareholder sind schlecht, weil, die wollen nicht arbeiten, aber viel Geld verdienen. Stakeholder sind gut, weil, die reden überall mit, obwohl sie weder Geld geben noch Risiko übernehmen. Und der Kunde? Na ja, wir Fachleute wissen schon, was gut für ihn ist. Und wir wissen auch, wie man partizipative Prozesse organisiert, die auch dem Kunden ein gutes Gefühl geben.
Im Ernst: Mit der Stakeholder-Diskussion ist viel Unklarheit in die Sozialwirtschaft gekommen! Was in der demokratischen Gesellschaft gut ist, nämlich die organisierte und strukturierte Vertretung von Minderheits- oder Mehrheitsinteressen, das ist für die klare und zielgerichtete Führung eines Unternehmens schlecht. Die Bandbreite geht von störend über ärgerlich bis blockierend oder gar existenzgefährdend. Es ist einfach viel lustiger, ohne Verantwortung und Haftung Forderungen aufzustellen, als die Ärmel hochzukrempeln, das Kreuz anzuziehen und mitten hineinzulangen und zu tun, was jetzt eben zu tun ist.
Die 1984 von dem amerikanischen Professor R. Edward Freeman von der University of Virginia erstmals veröffentlichte Stakeholder-Theorie geht von dem vernünftigen Gedanken aus, dass die Handlungen und Unterlassungen von Unternehmen immer auch Auswirkungen auf Dritte haben und dass diese deshalb auf geeignete Weise einzubeziehen seien. So weit, so gut. Nur, wenn die Dritten dem Unternehmen sagen, was es zu tun und zu lassen hat, als ob sie Eigentümer und Kunde in einer Person seien, dann werden die Rollen verwechselt.
Ein Glück, dass jedenfalls die gemeinnützigen Sozialunternehmen nicht auch noch gierige Shareholder am Hals hängen haben. Das hätte den Vorständen und Geschäftsführungen gerade noch gefehlt. So können sie sich auf die Frage konzentrieren, was der organisierte Kunde in Gestalt von Stakeholdern mit dem real existierenden Kunden in Gestalt von Heimbewohnern, Beratungsklienten, Krankenhauspatienten oder Schülern an Gemeinsamkeiten aufweist. Bezahlt wird die Leistung jedenfalls vom Kunden oder von dessen Partnern, also dem Sozialamt, der Rentenversicherung, der Pflegeversicherung, oder den Angehörigen. Diese Partner stehen in einer Geschäftsbeziehung mit dem Dienstleister, sonst niemand.
Kritische Geister wie Fredmund Malik aus St. Gallen spitzen die Sache zu: Wäre es nicht vernünftiger, die Unternehmen, auch die der Sozialwirtschaft, würden sich wieder auf ihre eigentliche Aufgabe besinnen: Ihren Kunden zu dienen, indem sie anständige Produkte zu einem angemessenen Preis in der gewünschten Qualität und zum gewünschten Zeitpunkt liefern! Das ist vielleicht in einer „Mit-Gesellschaft“, in der viele mitwirken, mitreden, mitgestalten und mitbeeinflussen wollen und dürfen, politisch nicht ganz korrekt. Für den Kunden, um den sich ja angeblich alles dreht, wäre es aber eine reizvolle Variante.
Erschienen in SOZIALwirtschaft aktuell, Ausgabe 19/2006 – Oktober 2006
Kontakt: Prof. Martin Beck

