Wie kann man Aufsichtsräte finden und halten?, Unternehmen, Führung, Management, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Steuerbarkeit, Identifizierbarkeit, Transparenz, Vernetzbarkeit, Mittelstand

Veröffentlichungen

Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"

Weit über 200 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.

Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.

SOZIALwirtschaft aktuell

Wie kann man Aufsichtsräte finden und halten?

Früher war das so: Bei den kirchennahen Sozialwerken saß immer eine solide Truppe von Kirchenmännern in den Aufsichtsgremien. Bei der Diakonie kommt das heute noch vor, da genügend evangelische Pfarrherren im Angebot sind, bei der Caritas hat das nachgelassen, weil die rar gewordenen Priester Wichtigeres zu tun haben. Und bei den weltlichen Sozialwerken kam man über Ortsverein, Gruppenzugehörigkeit oder Parteibuch in die Ehrenämter. Wenn man einmal dort saß, dann blieb man auch dort sitzen. „Bis dass der Tod euch scheidet“.

Geld gab es keines, Ehre schon, auch das eine oder andere gute Essen mit etwas gesellschaftlichem Glanz, aber alles in Maßen. In großbürgerlich besetzten Gremien nahm man Reisekosten und Spesen nicht an oder spendete sie gleich wieder zurück. In den meisten Gremien saßen auch örtliche Honoratioren und Mitglieder der lokalen Gesellschaft, die damit eine gute familiäre Tradition fortsetzten.

In der vergangen Jahren hat der Gesetzgeber die Rechte und Pflichten der Gremien deutlich gestärkt. Außerdem griff ein Trend Platz, der auch in der Wirtschaft zu beobachten ist: die Gremien werden kleiner. „Draußen“ in der Wirtschaft sind dreiköpfige Aufsichtsräte keine Seltenheit mehr. In der Sozialwirtschaft gilt immer noch die alte Apothekerregel: Viel hilft viel!

Wenn die Gremien kleiner werden, dann braucht man weniger Kandidaten. Kleinere Gremien sind auch relevanter, es kommt auf jedes Mitglied an, die Verbindlichkeit wird gestärkt. Und ein kleines, gewichtiges, verantwortliches Aufsichtsgremium kann auch eher honoriert und dafür auch in die Pflicht genommen werden, als ein zwanzigköpfiges Spektrum der örtlichen Gesellschaftsschichten.

Diese Veränderungen machen Gremien wieder attraktiv. Es geht nicht mehr darum, einfach nur dabei zu sein, sondern es stehen konkrete, wichtige, richtungweisende und mit Verantwortung und sogar mit Haftung besetzte Themen auf den Tagesordnungen. Das ist zwar anstrengend, aber es befriedigt auch.

Was kann man denn potentiellen Aufsichtsräten versprechen? Darüber sollten Sie ganz offen mit potentiellen Kandidaten und Kandidatinnen sprechen: Geld wird auch künftig nicht der Hauptantrieb für ein sozialwirtschaftliches Engagement sein, obwohl nichts gegen eine anständige Entschädigung mit der damit verbundenen Verbindlichkeit der Mitarbeit spricht. Ehre vielleicht, auf jeden Fall aber die Chance, Kompetenz und Kompetenzen hinzuzugewinnen und – nicht zu unterschätzen – die Einladung, neue Netzwerke zu bilden oder in vorhandene Netzwerke einzutreten. Auch die Wahrnehmung von Einfluss und die Ausübung von Macht für einen guten Zweck kann durchaus Anreiz sein., obwohl darüber nicht so gerne gesprochen wird.

Das klingt vielleicht etwas eigensüchtig. Es funktioniert aber. Zum Wohle der Sozialwirtschaft.

Erschienen in Sozialwirtschaft aktuell, NOMOS Verlag, Ausgabe 10/2006, Juni 2006<(i>

Kontakt: Prof. Martin Beck

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