Veröffentlichungen
Ich schreibe und veröffentliche fleißig. Vielleicht, um die alte Regel zu überprüfen: "Wer schreibt, der bleibt!"
Weit über 200 Veröffentlichungen, überwiegend zu betriebswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Themen, stehen auf meiner Publikationsliste.
Hier finden Sie jeweils die jüngsten Werke aus meiner Feder, jeweils verbunden mit einem Hinweis auf den Verlag oder das Verlagsobjekt, in dem der Text erschienen ist.
SOZIALwirtschaft aktuell
Was denken sich unkündbare Führungskräfte beim Kündigen?
Kündigen macht keinen Spaß. Wir sprechen hier nicht vom Rausschmiss, der notorische Faulenzer oder bewährte Intriganten trifft. Wer halbwegs ein Herz hat, dem wird die Hand bei der Unterschrift zittern, wenn langjährige Mitarbeiter und treue Wegbegleiter gekündigt werden müssen. Eine Kündigung ist immer ein Axthieb in einen Lebensplan, eine Gefährdung des Selbstwertgefühls und des Familienfriedens und häufig auch der Einstieg in den wirtschaftlichen Abstieg. Außerdem erschreckt jede Kündigung auch die (noch) nicht gekündigten Kollegen.
Nun ist in der Sozialwirtschaft und der Politik ein Phänomen zu beobachten, das dem Kündigungsvorgang eine besondere Würze verleiht: Bei vielen kirchlichen und kommunalen und staatlichen Einrichtungen sind die Spitzenkräfte nicht kündbar. Sie sind Pfarrer mit beamtenähnlichem Status oder wohlbestallte Beamte, vielleicht beurlaubt mit Rückkehrrecht, oder auch nur ausgeliehen. Ähnliches gilt für alle Länderparlamente und den Bundestag. Ihnen allen kann nichts passieren. Ihre Existenz ist gesichert, auch wenn sie wegen Schlechtleistung in den landeskirchlichen Gesangbuchverlag, ins Diözesanmuseum oder die kommunale Friedhofsverwaltung versetzt werden.
Eigenartigerweise hört man öfters Angehörige dieser privilegierten (aber häufig mit Situation und Status unzufriedenen) Stände über Mobilität und Flexibilität und das heute zum Job gehörende Risiko dozieren. Auch zu Themen wie Arbeitslosengeld, Hartz IV oder zur Höhe der Sozialabgaben kann man sie öfters vernehmen. Dabei haben sie in ihrem Berufsleben noch keinen einzigen Cent in eine Sozialkasse eingezahlt und werden selbst im ungünstigsten Falle eines beruflichen Absturzes mit einem Vielfachen des höchsten jemals erreichbaren Alg-Satzes alimentiert. Genau erstaunlich ist es übrigens, wenn aus der gleichen Richtung höhere Sozialleistungen gefordert werden, obwohl hier nur die in abhängiger Beschäftigung stehenden Arbeiter und Angestellten (einschließlich der leitenden Angestellten, aber die nur bis zur jeweiligen Einkommenshöchstgrenze) die Finanzierungslast tragen. Sozialgroßmut auf anderer Leute Kosten, sozusagen.
Also, liebe und verehrte mit Führungsaufgaben und politischen Ämtern betraute Beamte aller öffentlichen und kirchlichen Körperschaften: Bitte die Rechnung nicht ohne die vielen kleinen Wirte machen! Und immer daran denken, wie groß der Abstand von der eigenen Sicherung zum Rest der deutschen Arbeitswelt ist.
PS: Der Autor dieser Zeilen, der kurz nach seinem 14. Geburtstag als Lehrling ins Arbeitsleben eintrat, hat fast 40 Versicherungsjahre auf dem Buckel und ist heute als Selbständiger für seine Alterssicherung selbst verantwortlich, ganz so, wie das politischerseits gefordert wird...
Erschienen in SOZIALwirtschaft aktuell, Ausgabe 17/2006, September 2006
Kontakt: Prof. Martin Beck

