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Personalfragen sind das Wichtigste

Kurzbericht über den Tag der Sozialwirtschaft in Nürtingen am 25. November 2005

Mehr als sechzig Teilnehmer aus Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen, darunter viele Vorstände und Aufsichtsräte sozialwirtschaftlicher Unternehmen, nahmen am Tag der Sozialwirtschaft in den Räumen der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen (Baden-Württemberg) teil. Unter der Leitung von Martin Beck, Veranstalter der Tage der Sozialwirtschaft und Honorarprofessor an der Hochschule Nürtingen, beschäftigten sie sich mit dem Thema: „Wieviel Aufsicht braucht die Führung – wieviel Führung braucht die Aufsicht?“

Rainer Middel, Vorstandsmitglied des Diakonischen Werkes Württemberg und Verwaltungsrats-vorsitzender eines großen Altenhilfeträgers, stellte die derzeit konsequenteste Fassung eines Corporate Governance Kodexes vor, die sich ein Wohlfahrtsverband in Deutschland gegeben hat. Sein Verband hatte dieses Regelwerk wenige Tage zuvor zur Mitgliederpflicht mit Satzungsrang erhoben. Die Mitglieder der württembergischen Diakonie müssen jetzt für einen Erprobungszeitraum von zwei Jahren eine strenges, am Deutschen Corporate Governance Kodex orientiertes, Regelwerk einhalten.

Dr. Thomas Weinmann, Vorstandsvorsitzender der Paulinenpflege in Winnenden, stellte seine Erwartung als Vorstand an seinen Aufsichtsrat vor. Er wünscht sich weniger die heute übliche nachträgliche Kritik („das ist doch nur Archäologie!“), sondern die zukunftsorientierte Begleitung der Vorstandsarbeit durch den Aufsichtsrat. Fehler durch gemeinsame sorgfältige und strategisch ausgerichtete Arbeit von Vorstand und Aufsichtsrat zu vermeiden sei viel sinnvoller, als Fehler nachträglich bei der nächsten turnusmäßigen Sitzung zu kritisieren.

Der Stuttgarter Rechtsanwalt Dr. Jan Wittig, selber Vorsitzender von sozialwirtschaftlicher Unternehmen der Diakonie und der Parität sowie Aufsichtsrat von Wirtschaftsunternehmen, stellte aus beiden Perspektiven dar, welche Erwartungen er als Aufsichtsrat an „seine“ Vorstände hat. Sein wichtigster Punkt: Rechtzeitige und umfassende Information sowie vertrauensvolle Zusammenarbeit, die es auch möglich macht, über weniger geglückte Projekte oder über gescheiterte Vorhaben zu berichten und gemeinsam Lösungen zu suchen. Wie das praktisch aussehen kann, schilderte er am Beispiel einer börsennotierten Aktiengesellschaft, bei der er stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender ist.

Tagungsleiter und Referent Martin Beck fasste seine jahrzehntelange Erfahrung mit Aufsichtsräten in Sozialwirtschaft, Bankbereich und mittelständischer Wirtschaft so zusammen: „Personalfragen sind das Wichtigste. Es reicht nicht, die richtigen Vorstände auszuwählen und ungeeignete Vorstände zügig zu verabschieden. In der Zeit zwischen Einstellung und Entlassung ist der Aufsichtsrat erst recht gefragt. Er muß Begleiter, Unterstützer, Korrektiv und Fürsorger für die Vorstände sein. Wenn das aktiv praktiziert wird, dann erledigen sich viele andere Aufsichtsratsaufgaben wie von selbst. Wird das nicht so gemacht, dann verliert man sich in vielen formalistischen Nebenthemen.“

Martin Beck kündigte an, dass die Tage der Sozialwirtschaft neben Nürtingen (28. April 2006) künftig auch in Potsdam (24. März 2006) und in Hannover (März oder April 2006) stattfinden werden. Interessenten können ausgewählte Tagungsunterlagen sowie die Ausschreibungen der nächsten Tage der Sozialwirtschaft bei Prof. Martin Beck hier abrufen.

Kontakt: Prof. Martin Beck

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