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Meinungsbeitrag zum Thema Interimsmanagement
Interimsmanager sind Ausnahmeerscheinungen. Sie sollen Menschen gewinnen und sie auch durch bittere Wegstrecken führen, sie müssen extreme Positionen vertreten, sie müssen Emotionen aushalten und selber solche erzeugen, sie sollen Grausamkeiten planen und begehen und zugleich Vertrauen aufbauen und dieses auch durch ihre Praxis rechtfertigen, sie sollen schnell erkennen, wer Freund und wer Feind, wer Faulenzer und wer Leistungsträger im Unternehmen ist, daraus unter hohem Zeitdruck ihre Schlüsse ziehen und auf dieser Basis schmerzhafte Schritte einleiten und diese zügig umsetzen. Und sie müssen aufpassen, dass sie nicht in den alten Handwerksmeisterfehler verfallen und alles am besten können wollen: Oberbuchhalter, Oberfachmensch, Obercontroller, Oberpädagoge, Oberfinanzfachmensch. Das glaubt einem ja sowieso keiner, und es wird vernünftigerweise auch niemand verlangen.
Nach mehreren Interimseinsätzen in verschiedenen Bundesländern (ein weiterer steht unmittelbar bevor) komme ich zu dem Schluss, dass Interimsmanager vor allem eines sein müssen: Klar, berechenbar, wahrhaftig, fast hätte ich noch das altmodische Wort „lauter“ hinzugefügt. Dann arbeiten auch Betriebsräte und Mitarbeitervertretungen und Gewerkschaftsfunktionäre mit ihnen zusammen. Trickser und Blender und Täuscher machen hier (wie auch sonst) nur Flurschaden.
Aus:
Sozialwirtschaft aktuell
Ausgabe 10/2009 (Mai 2009)
Kontakt: Prof. Martin Beck

