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Kommentare zum Thema Tarifpolitik

Ein engagierter Leserbrief an die Zeitschrift "epd-sozial"

Sehr geehrte Damen und Herren,

als aufmerksamem Leser von epd sozial fällt mir auf, dass Sie gerne parteiliche Kommentare zur Tarifproblematik veröffentlichen, die eine einseitige Sicht der Dinge darstellen. Insbesondere gehen alle Ihre Kommentatoren anscheinend davon aus, dass das Geld für die Finanzierung sozialer Dienste einfach auf der Straße liegt und die Geschäftsführungen und Vorstände sich eben bücken müssten, um es aufzuheben.

Damit fördern Sie ein schiefes Bild der Dinge, das weit von der Realität entfernt ist. Die meisten Führungsleute der Diakonischen Unternehmen würden liebend gerne ihre Mitarbeiter so bezahlen, wie dies sozialpolitisch wünschenswert wäre. Nur: der Kunde akzeptiert das nicht mehr. Und: der Kunde sind wir, als Nutzer von Pflegediensten, als Angehörige von Heimbewohnern, als Jugendamt, als Pflegekasse, als Versicherte, als Steuerzahler.

Hier tritt ein Bruch in der gesellschaftlichen Logik auf, dem wir auch als Konsumenten auf den Leim gehen. Wir wollen alles billigst kaufen, aber wir wollen gleichzeitig alle Arbeitsplätze im Lande halten und die Löhne der neunziger Jahre dazu. Diesen Zaubertrick schafft aber die Ökonomie nicht. Genau so wenig, wie im Gesundheits- und Sozialwesen.

Also, liebe Redaktion von epd sozial: Sie sind doch für die ganze Branche da, also auch für die sozialwirtschaftlichen Unternehmen und ihre Führungskräfte, oder?

Ihr
Prof. Martin Beck
Wirtschaftsdirektor
Stephansstift
Kirchröder Straße 44
30625 Hannover
Telefon 0511-5353203
E-Mail: Beck@Stephansstift.de

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